Starke Statements

Licht der Hoffnung im Dunkel der Nacht

Zur soziologischen Psychologie der Löcher

Das Loch ist der Grundpfeiler dieser Gesellschaftsordnung, und so ist sie auch. Die Arbeiter wohnen in einem finstern, stecken immer eins zurück, und wenn sie aufmucken, zeigt man ihnen, wo der Zimmermann es gelassen hat, sie werden hineingesteckt, und zum Schluss überblicken sie die Reihe dieser Löcher und pfeifen auf dem letzten.

Kurt Tucholsky

Wertschätzung der ästhetischen Bildung

Alle drei Jahre werden nahezu weltweit Jugendliche in einer repräsentativen Stichprobe auf ihre kognitive Leistungsfähigkeit getestet und verglichen. Heraus kommt jedes mal eine Rangliste der teilnehmenden Länder, die angeblich über die Qualität des jeweiligen nationalen Bildungssystems im Wettbewerb mit anderen Staaten Auskunft gibt.

Wir alle wissen: Es handelt sich dabei um die Bildungsleistungsvergleiche der Organisation für Wirtschaftlich Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die unter dem Namen PISA firmieren. Die Wertschätzung für ästhetische Bildung kann man derzeit nirgends besser erkennen als genau hier: Die findet nämlich überhaupt nicht statt. Trotzdem wird das Abschneiden eines Landes in diesen höchst eingeschränkten Testserien mit der Leistungsfähigkeit des jeweiligen Bildungssystems gleichgesetzt.

Der Bildungsstand einer Nation lässt sich an solchen Tests gerade nicht ablesen. Wissen mag ein ökonomisch bedeutender Produktionsfaktor sein. Aber Wissen auf zwei oder drei Spezialgebieten ist nicht mit Bildung gleichzusetzen. Bedrohlich allerdings ist, dass die Öffentlichkeit just dies zu glauben scheint.

Kent Nagano

Alle Macht den Gesten

Die Große Koalition erfindet eine neue Politik. Symbole stehen nicht mehr für künftiges Handeln, sie sind bereits das ganze Handeln.

Nikolaus Blome, Spiegel 2/15

Patient als "Werkstück"

Zulasten einer empathischen Arzt-Patienten-Beziehung droht der Patient zum Wekstück in einem industriellen Prozess zu werden.

Prof. Dr. Arved Weimann

Den Krankenkassen ins Stammbuch geschrieben

Der messbare Teil ärztlicher Arbeit ist mitnichten ein Abbild der ärztlichen Leistung, er ist nur deren kleiner überhaupt messbarer Anteil.

Dr. med Franz von Seboca

Die Politik hat den Patienten zum Wirtschaftssubjekt gemacht

Mit Einführung der DRG und dadurch, dass die Politik den Ökonomen die gesamte Macht über die Medizin gegeben haben, ist der Mensch nicht mehr Patient, sondern Wirtschaftssubjekt. Und er wird auch wie ein Wirtschaftssubjekt behandelt. [...] Es werden wie in jedem Markt überflüssige Waren zum Höchstpreis angeboten. Das ist Marktwirtschaft.

Prof. Hans-Peter Bruch

Gibt es den "guten" Arzt überhaupt noch?

Auf die Frage, ob es den "guten" Arzt überhaupt noch gäbe antwortet der Medizinethiker Prof. Maio: "Ich meine ihn noch in den Herzen der Ärzte zu entdecken, aber nicht in den Strukturen, in denen Ärzte arbeiten müssen. Die interessieren sich nämlich nicht dafür, wie ein guter Arzt sein soll".

Professor Maio

Richtgrößenprüfungen zur Wirtschaftlichkeitsprüfung gehören abgeschafft

Ziel einer Wirtschaftlichkeitsprüfung ist nicht, den Arzt zu bestrafen, sondern ihn zu wirtschaftlichem Handeln zu bewegen. Aus diesem Grund sind teils existenzbedrohende Regresse auf Basis von Verordnungskosten meiner Ansicht nach der falsche Weg. Vor allem, weil aufgrund der aufgezeigten Verwerfungen eine korrekte, nachvollziehbare Quantifizierung eines "Schadens" praktisch unmöglich ist.

Kurzum: Richtgrößenprüfungen für Arznei- und Heilmittel gehören [...] abgeschafft. Sie entbehren inzwischen jeglicher Logik.

Dr. Wolfgang-Axel Dryden

Kirche als Feldlazarett

Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach der Schlacht. [...] Der Beichtstuhl ist kein Folterinstrument, sondern der Ort der Barmherzigkeit. [..] Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem anderen sprechen.

Papst Franziskus, Sept. 2013

Fehlende Empathie als Systemfolge?

Die Erkrankung vor sich zu stellen, sie und sich selbst von außen zu betrachten – dieser ganzheitliche Blick ist wichtig und hilfreich. Aber viele Mediziner sind zu so einem Blick, der nicht zuletzt ein Akt der Großzügigkeit ist, nicht in der Lage, sei es, weil sie ihn nicht erlernt haben, sei es, weil der Druck unseres Gesundheitssystems ihnen keine Chance läßt.

Wenn Sie also erkranken und bemerken, dass Sie als Mensch kaum noch vorkommen, nur noch fremdbestimmt sind, dann beschweren Sie sich. Nicht nur bei Ihrem Arzt, sondern auch beim Gesundheitsministerium!

Nicht die Krankheit ist dass Leiden, sondern der Kranke leidet, weil er nicht fähig ist, zu reagieren, weil er nicht die Möglichkeit hat, mitzumachen. Er ist dem System ausgeliefert, weil niemand in diesem System bereit ist, ernsthaft mit ihm zu sprechen.

Christoph Schlingensief

Fehlmessung durch PISA

Wie die Messung der Quoten in Fernsehsendungen, deren unheilvolle Auswirkung allgemein bekannt ist, führt auch das Messen von Schülerleistungen nicht zu einer Vielfalt, sondern es zielt mittelfristig auf eine Monokultur der MINT-Fächer hin.

Musische und gesellschaftswissenschaftliche Fächer werden dadurch ebenso marginalisiert wie Herzensbildung, Lebensklugheit, Selbstbewusstsein, Persönlichkeit, Selbstkritik usw. Humboldts Werte – sie bleiben bei PISA auf der Strecke.

Richard David Precht

Heilkunde oder Gesundheitswirtschaft?

Ich finde, dass wir uns in eine bestimmte Richtung bringen lassen und uns zum Beispiel an Begriffe wie "Gesundheitswirtschaft" gewöhnt haben. So empfinden wir uns aber eigentlich nicht. Wir sind Ärzte. Wir betreiben Heilkunde. Es ist eine große Frage, ob man damit in erster Linie Geld verdienen will oder ob es eine Leistung ist, die Ärzte für die Gesellschaft erbringen und für die sie vergütet werden müssen.

Priv.-Doz. Dr. med. Claudia Borelli

Moderne? Spätmoderne? Postmoderne?

Der Autor wurde bekannt mit seiner Studie "Beschleunigung" (Verlag Suhrkamp). Wie andere auch beschäftigt er sich mit der Frage: "In was für einem Zeitalter leben wir?" Das folgende Zitat ist einem Grundsatzartikel aus der "Zeit" vom 16.8.2012 entnommen. In diesem Artikel setzt sich Rosa mit Thesen des Soziologen Armin Nassehi auseinander.

"Und so resultiert das "Post-Lebensgefühl" aus dem Bewusstsein, dass das Wachstum weitergehen muß, obwohl es nicht nur ökologisch desaströs ist, sondern nicht einmal ökonomische Knappheit und soziale Exklusion zu überwinden vermag. [...].

Die Politik wird den Rechts- und Sozialstaat immer weiter reformieren, ohne die Qualität des Gemeinwesens zu verbessern, und die (bald auch biotechnischen und pharmazeutischen) Beschleunigungstechnologien werden neue Zeitsparmöglichkeiten eröffnen. Und doch glaubt niemand mehr, dass sich dadurch Stress und Zeitknappheit überwinden ließen.

Schlimmer noch: Wachstum, Beschleunigung und Innovationsverdichtung ereignen sich nicht von selbst, sie müssen von uns erbracht werden - doch je schneller sich die Welt schon dreht, je gewaltiger die Produktionsleistungen schon sind, umso schwieriger wird es, sie noch einmal zu steigern. Der psychische und ökologische Preis wird von Jahr zu Jahr höher. Wir müssen immer schneller laufen, um den Status quo zu erhalten".

Hartmut Rosa

Der Glaube ein Eskapismus?

"Ich glaube nicht an Gott. Religionen sind für mich eine ziemlich dumme Form des Eskapismus. Es gibt bessere: Essen, Wein, Sex, Baseball ..."

Woody Allen

Der Machtapparat - Facebook für Fundamentalisten

Das folgende Zitat ist einem Zeit-Artikel vom 16.8.2012 entnommen. Die Autoren untertiteln: "Wie Netzwerke die ewige Sehnsucht nach einfachen Wahrheiten befriedigen".

"Je dreister die Lüge, desto bereitwilliger wird sie geglaubt. Je schlichter die Botschaft, desto fanatischer wird sie bejubelt. So hat Massenbeeinflussung schon früher funktioniert, im Jahrhundert der Diktaturen, als die Heilsversprechen mithilfe neuer Propagandamaschinen in die Welt gepustet wurden. Dann brachen die totalitären Paradiese zusammen, doch damit war das totalitäre Denken nicht tot.

Jetzt zeigen Netzideologen, dass Demokratie nicht vor Fundamentalismus schützt, denn Freiheits-Tools wie Facebook eignen sich auch hervorragend als Verstärker für freiheitsfeindliche Ideen".

Evelyn Finger und Götz Hamann

Moralisch bankrott

Unter der Überschrift "Moralisch bankrott: Wie eine Generation von Bankern, die sich von ihrer Gier treiben lässt, alle Maßstäbe unserer Gesellschaft zerstört" führt der Autor zur sogenannten "Bankenkrise" aus:

"Was lernen die jungen Leute daraus, die sich eifrig studierend und vielleicht schon anpassend für eine Karriere rüsten? Sie lernen daraus, dass der Weg zu den Millionengehältern in den Vorstandsetagen nur über die charakterliche Deformation führt. Vor einigen Jahren gab es einmal den Slogan der deutschen Wirtschaft "Leistung muß sich wieder lohnen". Da dachte man an Fleiß, Intelligenz, Bildung, Kenntnisse. Heute wissen wir, daß die Leistung, die sich wirklich lohnt, in etwas ganz anderem besteht: in Rücksichtslosigkeit, Lüge, Frechheit und Betrug".

Jens Jessen

"Ist die Barmer GEK überhaupt noch eine richtige Krankenkasse?"

Unter der Überschrift "Ist die Barmer GEK überhaupt noch eine richtige Krankenkasse?" befasst sich der Autor im Leitartikel des "Hausarzt" 13/12 mit Initiativen der BEK GEK gegen Hausärzte nach Auslaufen des Hausarztvertrages und führt unter anderem aus:

"Seither zeigt sich die Kasse, die zwischenzeitig mit der Gmünder Ersatzkasse zur Barmer GEK fusionierte, nur noch wenig hausarzt- und patientenfreundlich. [...] Auch bei der Umsetzung der seit Juli geänderten Heilmittel-Richtlinien verhält sich die Barmer GEK eher wie eine Kasse für Gesunde".

Dr. Gerd W. Zimmermann

Apple, Facebook, Google, Amazon

"Die vier Konzerne definieren das Netz, überziehen es mit Weltanschauungen, Moralvorstellungen, Ideen von Gut und Böse. Sie haben eine digitale Welt geschaffen, die mehr an ein autoritäres Disneyland erinnert als an einen wilden Dschungel.

Jahr für Jahr bauen Google & Co. einen Flügel nach dem anderen an der Bibliothek der Welt an. Doch inzwischen erweisen sich die Erbauer zunehmend als moralisch verkniffene Bibliothekare, die ihre Regale vor jenen bewachen, die darin stöbern wollen".

Marcus Rohwetter

Rausschmeißer freuen sich zu früh

Der Autor beschäftigt sich mit der Frage des Verbleibes Griechenlands in der Eurozone und beleuchtet ein "Rausschmiß"-Szenario:

"Rausschmeißer freuen sich zu früh. Muss Griechenland nämlich die Gemeinschaftswährung verlassen, werden satte 82 Milliarden Euro fälig, für die die Bundesrepublik haftet oder die im Kapitalverkehr der Euro-Zentralbanken als uneinbringliche Forderung der Bundesbank gegenüber den hellenischen Kollegen wegfallen.

Mit diesem Betrag ließen sich die Kreditmarktschulden aller deutschen Kommunen auf einen Schlag zurückzahlen. Für jeden Griechen ist Deutschland 8000 Euro an Verpflichtungen eingegangen. Zum Vergleich: Unterm Strich hat der öffentliche Gesamthaushalt - also Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen - im vergangenen Jahr für jeden Bundesbürger nur 152 Euro Schulden aufgenommen".

Henning Krumrey

Wie viel Markt verträgt die Medizin?

Der Markt kann allenfalls dazu dienen, die Ressourcen bereitzustellen für das Arzt-Patient-Verhältnis. Wenn er Selbstzweck wird, wie das oftmals in medizinischen Institutionen erfolgt, ist das mit dem ärztlichen Ethos nicht mehr zu vereinbaren.

Prof. Wolfgang Sauermann

Medizin nach den Prinzipien der Fließbandproduktion

In den Kliniken ist die Arbeitsverdichtung enorm, die Stellenpläne wurden allerdings nicht in der Form ausgeweitet, wie es erforderlich gewesen wäre. Das wichtigste für die Arzt-Patienten-Beziehung ist aber, dass man genügend Zeit hat. Prinzipien der Fließbandproduktion werden dem Patienten nicht gerecht.

Dr. Ulrich Voshaar

Diffamierungskampagne der Krankenkassen

"Wir verurteilen die permanente, in den letzten Wochen in unerträglicher Weise eskalierende Diffamierungskampagne der Krankenkassen gegenüber der Ärzteschaft auf das Schärfste.

Der Versuch, durch Tricksen mit Zahlen, Verdrehen von Fakten und gezielter Desinformation der Bevölkerung die öffentliche Meinung zu manipulieren, wird als unseriös zurückgewiesen".

Vertreterversammlung der KVWL am 22.9.2012

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