Bob Dylan - Blood on the Tracks + More

Bob Dylan Blood on the tracks

Das Dylan-Album der 70er Jahre und für viele das Dylan-
Album überhaupt! Wenn ich nur ein einziges Werk des Meisters mit ins Nirwana nehmen dürfte, dann würde ich "Blood on the Tracks" wählen. Warum? Gute Frage bei so vielen umwerfenden Dylan-Alben! Es ist wohl eine emotionale Entscheidung für ein emotionales Werk.
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Eine der Stärken Dylans ist es, Gedanken und Strömungen zu absorbieren, zu verarbeiten und daraus etwas Eigenes zu schaffen. Er schöpft - nicht zuletzt auch in "Blood on the Tracks" - aus eigenen Erfahrungen, aus gesellschaftlichen Entwicklungen, aus der Begegnungen mit Menschen und aus den Meisterwerken der Literatur. Auch die Bibel hat ihn immer wieder inspiriert.

Ironischerweise war Bob Dylan trotz der von ihm planmäßig verfolgten Karriere schon sehr bald wieder auf der Flucht vor seinem eigenen Image, vor seiner Publizität, vor seinen Fans. Menschen, die ihn gut kannten, sprechen von egozentrischen oder gar egomanen Zügen, wahrscheinlich ist das eine Fehleinschätzung. Die Sache ist viel komplizierter. Lesen Sie seine Autobiographie! Dann verstehen Sie, warum selbst eine Joan Baez ihn nicht bewegen konnte, in die Folk- und Protestszene zurückzukehren. Er wollte nach eigener Bekundung kein Weltverbesserer sein, obwohl er das in der öffentlichen Wahrnehmung längst schon war. Gegen diesen "Stempel" hat er vehement angekämpft. Ihm war letztlich jedes Mittel Recht, seine eigenen Fans zu verschrecken, ja zu verprellen.

Auf der anderen Seite hat er sich bis heute nicht völlig zurückgezogen, ganz im Gegenteil spielt er weiter bis zu 200 Konzerte im Jahr ("never ending tour"). Allerdings oftmals "mit dem Rücken zum Publikum" und ohne mit der Wimper zu zucken. Am besten schließen Sie die Augen, wenn Sie eines seiner Live-Konzerte besuchen. Die Songs werden Ihnen dennoch (trotz Konzentration auf die Musik) zunächst unbekannt vorkommen, so stark verändert Dylan mitlerweile seine Werke. Manche Fans sind schon verzweifelt vorzeitig gegangen. Aber es sind seine Songs, er kann damit machen, was er will.

Die unmittelbar vorausgehenden Alben "Self Portrait" (1970), "New Morning" (1970), "Pat Garrett & Billy the Kid" (1973), "A Fool Such as I" (1973) und "Planet Waves" (1974) gehören nicht gerade zu Dylans Meisterwerken. Da kann man "Blood on the Tracks" (1975) durchaus als eine Art Wendepunkt im künstlerischen Schaffen bezeichnen. Zumal sich auch im Privaten Umwälzungen abzeichneten, Dylans Ehe kriselte bereits, 1977 kam es zur Scheidung. Für Künstler aber sind solche Lebens-Labilitäten ganz offenbar zugleich Inspirationsquellen. Und Dylan kennt das: Schon 1966 hatte er einmal nach einem Motorradunfall mit konsekutiver "Schreibhemmung" eine Krise erfolgreich gemeistert und danach zwei sehr schöne Country-Alben vorgelegt.

"Blood on the Tracks" kommt im Januar 1975 als 15. Studio-
Produktion Dylans in den Handel. Heute können Sie wählen zwischen CD, LP und SACD. Schon der ergreifende Opener "Tangled Up in Blue", einer der schönsten Dylan-Songs überhaupt, nimmt gefangen und reißt mit. Und so geht es weiter. Ganz offenbar steckt als Antrieb ein sehr persönliches, kraftvoll-emotionales Outing dahinter, auch wenn der Meister das rational sicher gar nicht beabsichtigt hat. Dylan ließ uns bisher nur selten an seinem Privatleben teilnehmen und öffnet sich erst in seiner Autobiographie "Chronicles" (2004) ein wenig. Doch schon lange zuvor gewinnen wir in "Blood on the Tracks" - und zwar wohl eher unabsichtlich - einen sehr intimen Einblick in seine damalige Gefühlswelt.

"If You See Her, Say Hello” ist für mich das schönste jemals geschriebene Liebeslied. Die Liebe selbst, Auseinandersetzungen, Trennung und Trennungsschmerz sind längst vorbei, also braucht es keine Worthülsen, keine Schwulst, keine überschwappenden Gefühle, keine Schuldzuweisungen mehr. Lyrics und Melodien als Destillat einer vergangenen Liebe, einfach wunderbar. Neben "Desolation Row" und "Like a Rolling Stone" mein ganz persönlicher Dylan-Lieblingssong.

"Simple Twist of Fate", "Idiot Wind", "You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go", "Lily, Rosemary and the Jack of Hearts", "Shelter from the Storm" und "Buckets of Rain" sind Lieder voller Emotion, voller Inbrunst - und das gilt sowohl für die Musik, als auch für die Lyrics.

Bob Dylan Back-Cover von Blood On The Tracks

Back-Cover von Blood On The Tracks

Ich möchte aber überhaupt keinen der Songs auf "Blood on the Tracks" missen. Kein Track dürfte fehlen. Das Gesamtergebnis ist ganz große Kunst. Ein Meisterwerk, wie es vielleicht wirklich nur in einer Lebenskrise geschaffen werden konnte. Ich glaube, dass alle Dylan-Alben zuvor und danach rational induziert waren, nur eben dieses eine nicht.

Dylan muss "Blood on the Tracks" selbst sehr am Herzen gelegen haben, hat er doch fünf schon fertige Songs ein zweites Mal aufgenommen, weil ihn die Erstfassung nicht zufrieden stellte. Und zwar "Tangled Up In Blue", "You`re A Big Girl Now", "Idiot Wind", "Lily, Rosemary And The Jack Of Hearts" und "If You See Her, Say Hello". Einige Songs passten - wie üblich - nicht auf die LP, wurden aber später in Kompilationen ("Biograph", "Bootleg-Series") veröffentlicht.

In Rankings der "besten Rockplatten aller Zeiten" belegt das Album immer vorderste Plätze innerhalb der Top 25. Wir wollen aber auch nicht verschweigen, dass andere Dylan-Platten oft noch vor "Blood on the Tracks" gelistet werden. Gott sei Dank ist das alles Geschmacksache. Und was soll auch ein Ranking, wenn mir persönlich die Platte auf Position 250 besser gefällt, als die Platte auf Position Nr. 1.

Die Titel auf Blood on the Tracks:

  1. Tangled Up in Blue
  2. Simple Twist of Fate
  3. You’re a Big Girl Now
  4. Idiot Wind
  5. You’re Gonna Make Me Lonesome When You Go
  6. Meet Me in the Morning
  7. Lily, Rosemary and the Jack of Hearts
  8. If You See Her, Say Hello
  9. Shelter from the Storm
  10. Buckets of Rain

Es lohnt sich, die Texte mitzulesen, ggf. auch in der deutschen Übersetzung. Es gibt ja diese beiden wundervollen Songbooks (siehe unten) mit den englischen Originaltexten und den sinngemäß übersetzten deutschen Fassungen. Das zuletzt erschienene "Lyrics 1962-2001" aus 2004 (Verlag Hoffmann und Campe) beinhaltet die Texte bis zum Album "Love And Theft".

Bob Dylan ist schließlich nicht nur Sänger, in erster Linie ist er Poet und Lyriker. Dabei sind seine Texte kompliziert, vielschichtig und oftmals verschlüsselt, man muss durchaus auch "zwischen den Zeilen" lesen. Hören Sie nur einmal hinein in "Desolation Row", vielleicht sein komplexestes Werk. Viele warten darauf, dass Dylan den Literatur-Nobelpreis bekommt. Nun, das wäre dann vielleicht doch des Guten zu viel.

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Weitere empfehlenswerte Dylan-Alben:

Der gereifte Folksänger

B.D. The times they are-a-changing
B.D. Another side of Bob Dylan

Nach seinem vornehmlich aus Coverversionen bestehendem Debut "Bob Dylan" (1962) folgt "The Freewheelin’ Bob Dylan" (1963) mit eigenen Kompositionen wie "Blowing in the wind", "A hard rain`s gonna fall" und "Don`t think twice, It`s all right". Zum absoluten Star aber wird Dylan mit seinen beiden 1964 eingespielten Folk-Alben: "The Times They Are A-Changin’" (mit dem Titelsong sowie "With God on our side", "Only a pawn in their game" und "Boots of Spanish leather") und "Another Side of Bob Dylan" ("Chimes of freedom", "Ballad in plain D"). Ein erster Karriere-Höhepunkt und nicht nur für manchen Folkie Inbegriff und Gipfel akustisch eingespielter Singer/Songwriter-Tradition schlechthin.

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Dylan als Wegbereiter des Folk-Rock

B.D. Highwy 61 Revisited
B.D. Blond on blonde

Mit "Bringing it All Back Home" (1965) verändert Dylan seinen Stil ("Love minus Zero", "Mr. Tambourine Man", "It`s all over now"). Er greift auf einer der beiden LP-Seiten zur E-Gitarre, spielt auch live mit einer E-Band und wird dafür auf dem Newport Folk Festival gnadenlos ausgepfiffen. Dylan läßt sich nicht beirren und legt 1965 mit "Highway 61 Revisited" ("Like a Rolling Stone", "Desolation Row") und 1966 mit "Blonde on Blonde" ("One of us must know", "Just like a woman") zwei rein elektrisch eingespielte Folk-Rock-Alben vor.

Die Texte werden immer vielschichtiger. Die Fans haben weiterhin große Schwierigkeiten, die Kritiker aber verteilen viel Lob. Rückblickend hat Dylan damals einem neuen Genre den Weg bereitet.

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Dylan als Wegbereiter des Country-Rock

B.D. John Wesley Harding
B.D. Nashville Skyline

Nach einem Motorradunfall muß sich Dylan neu finden, oder besser "erfinden" und vollzieht eine weitere Kehrtwendung: Er veröffentlicht zwei Countryalben! 1967 "John Wesley Harding" (mit dem Titelsong und "All along the watchtower") und 1969 "Nashville Skyline" ("Girl from the North Country" mit Johnny Cash, "Lay Lady lay" und "Tonight I´ll be staying here with you"). Die Alben sind erstaunlicherweie kommerziell erfolgreich, die Folkies aber trauern immer noch. Wieder bereitet Dylan den Weg für ein ganzes Genre, diesmal für den "Country-Rock". Die Alben sind auch heute noch hörenswert.

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Dann kommt es zu einer "Durststrecke" mit "Self Portrait" (1970), "New Morning" (1970), "Pat Garrett & Billy the Kid" (1973), "A Fool Such as I" (1973), "Planet Waves" (1974) und "The Basement Tapes" (1975, mit The Band), bis endlich 1975 "Blood on the Tracks" (siehe diese Rezension) erscheint.

Das Folgealbum "Desire" (1976) ist durchaus ansprechend und bringt mit "Sara" noch einmal eine Verbeugung vor seiner im Gehen begriffenen Frau. "Street Legal" (1978) hat sehr schöne Momente ("Senor", "We better talk this over") und nimmt etwas von der Stimmung der folgenden religiös geprägten Alben vorweg.

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Dylan singt christlich geprägte Lieder

B.D. Slow train coming
B.D. Saved

Dylan konvertiert zum Christentum und veröffentlicht drei religiös geprägte Alben. Herausragend sind das durch Knopflers Gitarre veredelte 1979er "Slow Train Coming" ("Precious Angel", "I believe in you", "When he returns") und das 1980er "Saved" (mit dem Titelsong, "Pressing on", "In the garden" und "Saving grace"). Klar, diese Musik ist nicht jedermanns Sache, die Thematik polarisiert. Orgel und Background-Sängerinnen sind für einen harten Dylan-Fan gewöhnungsbedürftig. Also hören Sie rein, bevor Sie "zuschlagen". Dann kommt noch "Shot of Love" (1981) mit dem herzzerreissenden "Every grain of sand" inclusive Chicken-Skin-Harmonika-Solo.

Die drei Alben muß man nicht haben, es sei denn, man wäre ein unverbesserlicher Dylan-Fan. Dann allerdings sind sie "essentiell". Jedenfalls enthalten sie viele spirituelle Momente.

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Die beiden "mystischen" Lanois-Alben

B.D. Oh mercy
B.D. Time out of mind

Nach den folgenden weniger spektakulären Alben "Infidels"(1983), "Empire Burlesque" (1985), "Knocked Out Loaded" (1986) und "Down in the Groove" (1988) kommt es mit der Lanois-Produktion "Oh Mercy" zu einem weiteren definitiven Dylan-Highlight.

Diese CD steht für mich nahezu gleichrangig neben "Blood on the Tracks" und wird auch durch das ebenfalls von Daniel Lanois produzierte 1997er Album "Time Out of Mind" nicht getoppt, obwohl letzteres die großen Preise, darunter zwei Grammies erhalten hat.

Hören Sie auf "Oh Mercy" hinein in "Where teardrops fall", "Ring the bells", "Man in the long black coat", "Most of the time" und "Shooting star". Und in "Time out of Mind" in "Trying to get to Heaven", "Make you feel my love", "Highlands" und vor allem in das bezaubernde "Not dark yet".

Zusammengenommen zwei unvergleichlich mystisch angehauchte, mystifizierende, hochinspirierte Alben, ohne die Dylan nicht das wäre, was er heute ist. In seiner Autobiographie "Chronicles" beschreibt er haarklein die Entstehung der Texte und den Aufnahmeprozess von "Oh Mercy". Ehrlich und schockierend! Dem Resultat (und nur das zählt) merkt man dies alles nicht an. "Oh Mercy" ist ein weiterer Höhepunkt in Dylans Schaffen, auch wenn mehr als die Hälfte der "Credits" Daniel Lanois gehört.

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Dylan singt Traditionals

B.D. Good as  I been to you
B.D.World gone wrong

Nach "Oh Mercy" erschien 1990 "Under the Red Sky" ("Born in time", "God knows", "Cat`s in the well"), das man nicht haben muss.

Dann aber kamen in Folge zwei Alben, die sich zu kaufen lohnt: "Good as I been to you" (1992) und "World gone wrong" (1993). Beide ohne Dylan-Eigenkompositionen, dafür gespickt mit Traditonals, die der Meister Solo singt. Stimme und Gitarre sind atemberaubend. Die paar verbliebenen Hardcore-Fans laufen Sturm: "Die Lieder sind ja gar nicht von ihm". Da haben sie natürlich Recht. Also wieder eine Schlingerkurve des Idols? Nein, sondern ganz folgerichtig eine Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln - und zudem wunderschön. Diese beiden Platten sollten in keiner Dylan-Sammlung fehlen. Hier keine Anspieltipps, alle Songs sind groß!

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Der "Rockstar" Bob Dylan

B.D. Love and theft
B.D. Modern Times

Und dann die bisher letzte Wendung: Dylan der Hardrocker! Die Folkies wissen schon lange nicht mehr, wer Dylan ist. Aber die heutigen Jungen sind verzückt. Mit "Love and Theft" (2001) und "Modern Times" (2006) erobert Dylan die Charts. Von ihm sind nur noch die Melodien, die Texte und die heisere Stimme, den Rest macht eine reinrassige Rockband. Im Livekonzert bedient er die Keyboards, ohne dass man das wahrnimmt. Nur selten noch ereignen sich Abende voller Inspiration, wie vor einigen Jahren in Düsseldorf, als er allein am Klavier sitzt.

Und trotzdem sind auch diese beiden Rockalben große Musik. Hören Sie nur einmal herein in "Mississippi", "Summer Days" und "Cry a while" auf "Love and Theft" oder in "Thunder on the mountain", "Rollin` and tumblin`" und "Workingman`s blues" auf "Modern Times".

Nach meiner Meinung ist "Modern Times" noch um einiges stärker als "Love and Theft".

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Danach veröffentlicht Dylan "Together Through Life" (2009), das Konzept des harten Rock scheint mir hier aber bereits "ausgelutscht". Das Weihnachtsalbum "Christmas in the Heart" (2009) sollten Sie "knicken". 2012 erscheint "Tempest" (=Sturm), eine Rückkehr zum Country- und Folk-Rock. Viele langsame und Midtempo-Titel, wenige schnelle Hardrocker. Sehr schöne Momente, doch manchmal auch sich etwas zäh wiederholend. Vielleicht fehlt mir aber noch der gebührende Abstand. Auf alle Fälle ist der erzählende 14-minütige Titelsong (zu dem Sie schunkeln könnten!) eine Art Folk-Rock-Rückbesinnung. Lassen wir es erst einmal bei dieser Voreinschätzung.

Und was wird alles noch kommen? Mutig, wer Prognosen wagt!

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Bob Dylan`s Studioalben

Hier noch einmal eine chronologische Gesamtübersicht der Studioalben:

  • Bob Dylan (1962)
  • The Freewheelin’ Bob Dylan (1963)
  • The Times They Are A-Changin’ (1964)
  • Another Side of Bob Dylan (1964)
  • Bringing it All Back Home (1965)
  • Highway 61 Revisited (1965)
  • Blonde on Blonde (1966)
  • John Wesley Harding (1967)
  • Nashville Skyline (1969)
  • Self Portrait (1970)
  • New Morning (1970)
  • Pat Garrett & Billy the Kid (1973)
  • Dylan – A Fool Such as I (1973)
  • Planet Waves (1974)
  • Blood on the Tracks (1975)
  • The Basement Tapes (1975, mit "The Band")
  • Desire (1976)
  • Street Legal (1978)
  • Slow Train Coming (1979)
  • Saved (1980)
  • Shot of Love (1981)
  • Infidels (1983)
  • Empire Burlesque (1985)
  • Knocked Out Loaded (1986)
  • Down in the Groove (1988)
  • Oh Mercy (1989)
  • Under the Red Sky (1990)
  • Good as I Been to You (1992)
  • World Gone Wrong (1993)
  • Time Out of Mind (1997)
  • Love and Theft (2001)
  • Modern Times (2006)
  • Together Through Life (2009)
  • Christmas in the Heart (2009)
  • Tempest (2012)

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Dylan unplugged bei MTV

Bob Dylan Unplugged

Sehr empfehlenswert ist das 1995 veröffentlichte Unplugged-
Album aus der bekannten MTV-Serie. Die Produzenten konnten Bob Dylan trotz anfänglichen Widerstandes doch noch überreden, seine eigenen Lieder zu singen, statt Blues- und Folk-Traditionals. Allerdings werden Sie die Songs kaum wiedererkennen. Trotzdem eine CD, die sich lohnt.

Das Album gibt es auch als DVD. Optisch aber spielt sich da nicht viel Spektakuläres ab. Dylan versteckt sich hinter einer Sonnenbrille und kommuniziert kaum mit seinem Publikum. Und besonders viel Spaß macht ihm sein Auftritt ganz augenscheinlich auch nicht. Manchmal fragt man sich, was ihn überhaupt noch auf die Bühne treibt, das Geld kann es doch kaum sein.

Diese eigenartige auf der Bühne zur Schau gestellte Unlust ist auch an anderer Stelle immer wieder dokumentiert. Ich erinnere mich an das Konzert anläßlich der Aufnahme in die "Hall of Fame". Bruce Springsteen versucht mehrfach, Dylan "aus der Reserve" zu locken - ohne Erfolg.

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Die Dylan-Bootlegs

B.D. Bootleg 1-3

Es gibt unzählige sogenannte "Bootleg"-Alben von Bob Dylan. Oben sehen Sie von links nach rechts die Volums 1 bis 3, die 1991 m.E. ganz "offiziell" im Dreierpack bei Sony erschienen sind. Ursprünglich sollte es wohl bei diesen 3 CDs mit Outtakes und Alternativtracks bleiben. Und im Grunde hatte man den eher unzutreffenden Namen "Bootleg" wohl nur gewählt, um Interesse zu erzeugen.

Später haben sich dann die Plattenfirmen des Geschäftes wegen dazu hinreißen lassen, auch zunächst nicht autorisierte Live-Mitschnitte zu legalisieren und zu veröffentlichen. Heute gibt es zusätzlich zu den o.g. drei Veröffentlichungen weitere "offizielle" Bootlegs-Volumes Vol. 5 bis Vol. 9.

Olaf Benziger listet zudem in seinem Buch (s.u.) weitere Bootlegs auf, das dürften dann wohl wirklich "Schwarzpressungen" sein.

Ob man diese Bootlegs braucht, möchte ich bezweifeln. Die Volumes 1,2 und 3 sind aber für den etwas intensiveren Dylan-Fan durchaus interessant. Zumal auch erste Fassungen von Songs der Sessions zu "Blood on the Tracks" enthalten sind.

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Songbooks und weitere Dylan-Literatur

Bob Dylan Lyrics 1962-1985
Bob Dylan von Olaf Benzinger

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Bob Dylan Lyrics 1962-2001

Sie möchten eine Liste aller Dylan-Songs, aller CDs, aller Bootlegs? Kein Problem, beschaffen Sie sich das Buch von Olaf Benziger.
Bob Dylan`s Texte sind wichtig. Nur "nuschelt" der Meister oft, so dass man gerne den englischen Text mitlesen möchte. Und dann würde man noch gern eine sinngemäße deutsche Übersetzung haben. O.k., beschaffen Sie sich eines der beiden Songbooks:

Die englischen Texte der Dylan-Songs mit ihren sinngemäßen deutschen Übersetzungen finden Sie in folgenden beiden Büchern:

  • Bob Dylan, Lyrics. Songtexte 1962-1985, Verlag Zweitausendundeins, deutsche Übersetzungen von Carl Weissner und Walter Hartmann, keine ISBN-Nummer
  • Bob Dylan, Lyrics, Songtexte 1962-2001, Verlag Hoffmann und Campe, deutsche Übersetzungen von Gisbert Haefs, ISBN 3-455-01591-3

Eine Auflistung aller veröffentlichter und unveröffentlichter Dylan-Songs, sämtlicher Studio-Sessions und der wichtigsten Bootlegs sowie aller Auftritte in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie in folgendem Buch:

  • Bob Dylan, Die Geschichte seiner Musik, von Olaf Benziger, Verlag dtv, ISBN 13:978-3-423-34673-3

Hier kommen Sie zu einer Rezension der Dylan Autobiograhie "Chronicles"

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Der Pennebaker-Film "Don`t look back"

Bob Dylan Don`t look back

Die filmische Begleitung von Bob Dylans`s 1965er England-Tour durch den Regisseur D. A. Pennebaker ist nicht etwa "nur" ein "Konzert-Film". Nein, der Streifen ist ein einmaliges Zeitdokument. Dem Zuschauer wird aus dem historischen Blickwinkel schlagartig deutlich, warum dem Folksänger 1964/65 der große Durchbruch gelang. In vielen Interviews offenbart Dylan zudem seine schon damals ironische, kryptische, ja manchmal gar sarkastische, niemals aber zynische Seite.

Die Journalisten konnten zunächst mit diesem eigenartigen, kometenhaft aufgestiegenen Singer/Songwriter aus den Staaten überhaupt nichts anfangen, zumal Bobby trotz seines Namens so wenig "britisch" war.

Zudem hatte Dylan innerlich seine akustische Folkperiode schon längst hinter sich gelassen und reagierte auf Fragen nach seinem Stil oft genervt. Das war nämlich seine letzte akustische Konzerttour. Er gastierte in Sheffield, Liverpool, Leicester, Birmingham, Newcastle, Manchester und gab zum Schluss 2 Konzerte in der Londoner Royal Albert Hall.

Der Satz des "Manchester Guardian"-Reporters, den dieser seiner Zeitung ins Telefon diktiert, hat sich mir tief eingeprägt: "Dylan singt nicht, er predigt". Wie Recht er hat!

Der Film vermittelt auch einzigartige Eindrücke von Joan Baez und Donovan, vor allem aber von den mit offenem Mund staunenden Briten. Ein grandioser Einblick in das kleine Erdbeben, das der US-Amerikanische Sänger auch in England auslöste! Wenn Sie das "Phänomen" Dylan historisch begreifen wollen, gibt es keinen besseren Einstieg.

Oben abgebildet ist übrigens die "Deluxe Edition", die eine 2. DVD mit bisher unveröffentlichtem Material präsentiert. Pennebaker hat doch tatsächlich fast 50 Jahre nach Erscheinen von "Don`t look back" erneut in mehr als 20 Stunden filmischem Archivmaterial gegraben und einige weitere bezaubernde Momente zu Tage gefördert. Zudem enthält die Luxusedition ein Buch mit den kompletten Dialogen des Films und zahlreiche Fotos.

Als "Gimmick" beigegeben ist ein "Flipbook" (= Daumenkino), das die beühmte filmische Sequenz aus dem weltweit ersten Musikvideo enthält, als Dylan zu "Subterranean Homesick Blues" die Schilder mit den Statements hochhält und nach und nach fallen läßt.

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No direction home - Bob Dylan

No Direction Home - Martin Scorsese

Das Titelbild des erwähnten Buches von Olaf Benziger "Bob Dylan, Die Geschichte seiner Musik" finden Sie auch wieder auf der oben abgebildeten DVD "No Direction Home", dem ursprünglich als Fernsehfilm herausgekommen Steifen des Meisterregisseurs Martin Scorsese. Die Produktion wurde mit Preisen überschüttet, unter anderem einem Grammy und einem Emmy.

No Direction Home ist ein zweiteiliger Dokumentarfilm über die Karriere Dylans aus der Zeit zwischen 1961 und 1966. Der Filmtitel ist ein Zitat aus dem Song "Like a Rolling Stone". Wer das "Phänomen" des frühen Dylan verstehen will, kommt an diesem Streifen nicht vorbei.